Der Australian Shepherd Kurzhaar ist ein Begriff, der viele Hundeliebhaber in Deutschland neugierig macht. Immer wieder tauchen Anzeigen, Forenbeiträge und Suchanfragen auf, die von einem „Kurzhaar-Aussie“ sprechen. Doch existiert diese Variante überhaupt?
Die kurze Antwort lautet: Nein, einen echten Kurzhaar-Australian-Shepherd gibt es nicht.
Trotzdem gibt es gute Gründe, warum manche Aussies kürzer behaart wirken – von genetischen Unterschieden bis hin zu jahreszeitlichen Veränderungen. In diesem Artikel erfährst du alles über das Erscheinungsbild, die Pflege, die Gesundheit und die häufigsten Missverständnisse rund um den sogenannten „Kurzhaar-Aussie“.
Gibt es einen echten Australian Shepherd Kurzhaar?
Der offizielle Rassestandard des Australian Shepherds, wie ihn die grossen Zuchtverbände (ASCA, AKC, FCI) festgelegt haben, beschreibt ein mittellanges, wetterfestes Doppelhaar.
Das bedeutet:
- Das Deckhaar ist gerade bis leicht gewellt.
- Es gibt eine dichte Unterwolle, die je nach Klima variiert.
- Eine glatthaarige oder kurzhaarige Varietät ist nicht vorgesehen.
Wenn also ein Hund als „Australian Shepherd Kurzhaar“ bezeichnet wird, handelt es sich entweder um:
- einen Aussie mit besonders kurzem Deckhaar,
- einen Mischling,
- oder eine Verwechslung mit einer ähnlichen Rasse.
Warum manche Australian Shepherds kürzer behaart wirken
Auch wenn der Standard ein mittellanges Fell beschreibt, sehen nicht alle Aussies gleich aus. Das liegt an mehreren natürlichen Faktoren:
1. Individuelle genetische Unterschiede
Wie beim Menschen sind auch bei Hunden individuelle Unterschiede ganz normal. Manche Australian Shepherds haben weniger Behang an Beinen, Brust oder Rute. Dadurch wirken sie optisch wie „Kurzhaarhunde“, obwohl sie genetisch vollwertige Aussies sind.
2. Jahreszeitlicher Fellwechsel
Während des Fellwechsels im Frühling und Herbst verlieren Aussies viel Unterwolle. In dieser Zeit sieht ihr Fell dünner und kürzer aus. Besonders in den wärmeren Monaten kann ein Aussie deutlich „leichter“ wirken.
3. Pflege und Schur
Einige Halter lassen ihren Hund scheren, um den Fellverlust zu reduzieren oder das Tier im Sommer zu entlasten. Dabei sollte man jedoch vorsichtig sein: Wird das Deckhaar zu stark gekürzt, kann es die natürliche Schutzfunktion gegen Sonne, Regen und Kälte verlieren. Fachleute raten daher vom Komplettscheren ab.
4. Falsche Zuordnung anderer Rassen
Manchmal werden andere Hunderassen oder Mischlinge mit dem Australian Shepherd verwechselt. Besonders der Miniature American Shepherd sieht sehr ähnlich aus, hat aber ebenfalls kein Kurzhaarfell.
Unterschied zwischen Australian Shepherd und Miniature American Shepherd
Viele glauben, der Miniature American Shepherd (MAS) sei die „Kurzhaar-Variante“ des Aussies. Das stimmt nicht.
Der Mini Aussie ist:
- kleiner (33–46 cm Schulterhöhe),
- ebenfalls mittellang behaart,
- eigenständig gezüchtet und von offiziellen Verbänden als separate Rasse anerkannt.
Beide Hunde teilen Charaktereigenschaften und Farben, doch der MAS ist keine Kurzhaarform des Australian Shepherds.
Aussehen und Wesen des Australian Shepherds
Der Aussie ist ein mittelgrosser, athletischer und hochintelligenter Hütehund. Er wurde ursprünglich für die Arbeit mit Vieh in den USA gezüchtet und überzeugt durch Vielseitigkeit, Energie und Bindungsfreude.
Typische Merkmale:
- Größe: Rüden 51–58 cm, Hündinnen 46–53 cm
- Gewicht: ca. 18–29 kg
- Fell: Mittellanges, wetterfestes Doppelhaar, gerade bis leicht gewellt
- Farben: Blue Merle, Red Merle, Schwarz oder Rot – mit weißen und kupferfarbenen Abzeichen
- Charakter: Intelligent, arbeitsfreudig, loyal, sensibel, aufmerksam
Pflege des Fells – auch bei kurz wirkenden Aussies
Ein „kurzhaariger“ Aussie benötigt genauso viel Pflege wie ein plüschiger Vertreter. Das Fell erfüllt wichtige Schutzfunktionen und sollte regelmäßig gepflegt werden.
Pflegeempfehlungen:
- Wöchentlich bürsten, während des Fellwechsels sogar täglich.
- Keine Vollschur – das Deckhaar schützt vor Sonne und Nässe.
- Sanftes Shampoo nur bei Bedarf.
- Regelmäßige Kontrolle von Ohren, Krallen und Zähnen.
Tipp: Ein gepflegtes Fell glänzt nicht nur schöner, sondern reduziert auch starkes Haaren in der Wohnung.
Gesundheit und genetische Besonderheiten
Der Australian Shepherd ist grundsätzlich robust, doch einige erblich bedingte Krankheiten kommen in der Rasse häufiger vor. Wer plant, einen Aussie zu kaufen, sollte auf Gesundheitsnachweise achten.
1. MDR1-Defekt
Viele Aussies tragen die MDR1-Mutation, die sie empfindlich gegenüber bestimmten Medikamenten macht (z. B. Ivermectin). Ein Gentest ist Pflicht, um gefährliche Reaktionen zu vermeiden.
2. Augenkrankheiten
Der Aussie kann von erblichen Augenproblemen wie Katarakt oder Collie Eye Anomaly betroffen sein. Seriöse Züchter führen jährliche Augenuntersuchungen durch.
3. Hüftdysplasie (HD)
Wie bei vielen aktiven Rassen ist HD ein Risiko. Züchter sollten entsprechende Röntgennachweise vorlegen.
4. Epilepsie
In seltenen Fällen tritt auch idiopathische Epilepsie auf. Offene Kommunikation mit dem Züchter ist hier wichtig.
Beschäftigung und Training
Der Australian Shepherd – ob „Kurzhaar“ oder nicht – ist ein echter Arbeitshund.
Ohne regelmäßige Bewegung und geistige Aufgaben wird er schnell gelangweilt.
Geeignete Aktivitäten:
- Agility, Obedience oder Treibball
- Mantrailing oder Fährtensuche
- Frisbee, Apportierspiele oder Longieren
- Intelligentes Tricktraining
Aussies lernen blitzschnell und reagieren sensibel auf Stimmungen. Eine klare, positive Erziehung und konsequente Führung sind daher entscheidend.
Worauf beim Züchter zu achten ist
Wer in Deutschland einen Australian Shepherd kaufen möchte, sollte großen Wert auf einen seriösen Züchter legen.
Achte darauf, dass der Züchter:
- Mitglied in einem anerkannten Verein ist (z. B. ASCD, CASD).
- Gesundheitsnachweise vorlegt (MDR1, HSF4, HD, ED).
- Seine Welpen gut sozialisiert und im Familienumfeld aufzieht.
- Keine falschen Versprechen wie „Kurzhaarlinie“ oder „Mini Aussie Kurzhaar“ macht.
Ein verantwortungsvoller Züchter verkauft keine Welpen an Menschen, die den Aktivitätsbedarf des Aussies unterschätzen.
Fazit
Der Begriff Australian Shepherd Kurzhaar ist ein häufiges Missverständnis.
Es gibt keine offizielle kurzhaarige Variante dieser Rasse. Jeder Australian Shepherd besitzt ein mittellanges, wetterfestes Doppelhaar – das ist Teil seines typischen Erscheinungsbildes.
Kurzhaarig wirken manche Aussies nur durch individuelle Fellstruktur, Schur oder saisonalen Fellwechsel.
Wer sich also für diese Rasse interessiert, sollte den Pflegeaufwand und Bewegungsdrang realistisch einschätzen – unabhängig von der Haarlänge.

