Stanley Meyer gehört zu den faszinierendsten und gleichzeitig umstrittensten Persönlichkeiten der modernen Energiegeschichte. In den 1980er- und 1990er-Jahren sorgte er weltweit für Aufmerksamkeit, weil er behauptete, ein Auto entwickelt zu haben, das ausschließlich mit Wasser als Treibstoff fahren könne. Für viele Menschen klang das nach einem Durchbruch, der die Welt verändern könnte. Für andere klang es nach Pseudowissenschaft.
Dieser Artikel fasst alles zusammen, was gesicherte Informationen über Meyer, seine Technologie, die Kritik der Wissenschaft und die Mythen rund um seinen Tod betrifft. Der Text richtet sich an ein deutsches Publikum und erklärt die Fakten klar, verständlich und tiefgehend.
Wer Stanley Meyer war
Stanley Allen Meyer wurde am 24. August 1940 in Columbus, Ohio, geboren. Er war kein klassisch ausgebildeter Ingenieur, sondern ein autodidaktischer Tüftler, der sich für Elektronik, Energiegewinnung und alternative Antriebskonzepte interessierte. Trotz fehlender akademischer Abschlüsse verfolgte er mit großem Ehrgeiz das Ziel, die Abhängigkeit der Welt von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Seine Vision war es, eine Technologie zu schaffen, die Wasser in eine Energiequelle verwandeln könnte, die stark genug ist, Fahrzeuge anzutreiben – eine Idee, die damals wie heute große Faszination auslöst.
Die Idee des wasserbetriebenen Autos
Meyer behauptete, eine „Water Fuel Cell“ erfunden zu haben, also eine spezielle Brennstoffzelle, die Wasser besonders effizient in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten könne. Dieses Gas sollte dann in einem Verbrennungsmotor verbrannt werden. Nach seinen Aussagen konnte ein Fahrzeug mit dieser Technologie mehr als 100 Meilen mit nur wenigen Litern Wasser fahren.
Sein bekanntestes Projekt war ein umgebauter Dune Buggy, den er öffentlich vorführte und als Beweis seiner Erfindung präsentierte. Viele Zuschauer waren beeindruckt, weil die Technologie scheinbar genau das tat, was er behauptete.
Für Menschen, die sich eine saubere, frei verfügbare Energiequelle wünschten, war diese Idee revolutionär. Die Vorstellung, dass normales Wasser ein Auto antreiben könnte, hatte etwas fast Science-Fiction-haftes – und genau das machte Meyers Arbeit so populär.
Warum die Wissenschaft skeptisch war
Trotz großer öffentlicher Aufmerksamkeit stießen Meyers Behauptungen in Fachkreisen auf deutliche Kritik. Der wichtigste Punkt: Seine Technologie widersprach grundlegenden physikalischen Gesetzen.
Die Hauptkritikpunkte waren:
- Wasser ist kein Brennstoff.
Es enthält keine Energie, die ohne externen Energieeinsatz nutzbar wäre. - Die Elektrolyse erfordert stets mehr Energie, als sie liefert.
Das ist ein fundamentales thermodynamisches Prinzip. - Keine unabhängige Prüfung bestätigte seine Behauptungen.
Es gibt keine reproduzierbaren Studien, die Meyers Technologie verifizierten.
Wissenschaftler waren sich deshalb weitgehend einig, dass Meyers Gerät nichts anderes tat als gewöhnliche Elektrolyse – eine Technik, die seit über einem Jahrhundert bekannt ist.
Diese Kritik schadete Meyers Ruf erheblich, doch seine Unterstützer blieben überzeugt, dass seine Technologie funktionierte.
Rechtsstreit und Gerichtsurteil gegen Meyer
1996 kam es zu einem entscheidenden Wendepunkt. Investoren, die Geld in Meyers Projekte gesteckt hatten, verklagten ihn, weil seine Technologie nicht die versprochenen Ergebnisse lieferte.
Ein Gericht in Ohio untersuchte seine Konstruktionen und hörte Experten an. Das Urteil war eindeutig: Meyers „Water Fuel Cell“ wurde als nicht funktionsfähig eingestuft. Das Gericht entschied, dass er Investoren mit unwahren Versprechen getäuscht habe.
Dieses Urteil führte dazu, dass viele Medien Meyer als Betrüger betrachteten. Gleichzeitig verstärkte es den Mythos unter seinen Anhängern, die überzeugt waren, dass „mächtige Interessen“ seine Arbeit unterdrücken wollten.
Der mysteriöse Tod von Stanley Meyer
Am 20. März 1998 starb Meyer plötzlich während eines Treffens mit potenziellen Investoren in einem Restaurant. Laut offiziellen Berichten erlitt er ein Hirnaneurysma, was eine natürliche Todesursache ist.
Doch sein Bruder berichtete, Meyer habe kurz vor seinem Tod gesagt: „Sie haben mich vergiftet.“ Dieser Satz löste eine Welle von Verschwörungstheorien aus:
- Einige glauben, große Energiekonzerne hätten seine Erfindung verhindern wollen.
- Andere sehen in ihm einen Märtyrer der alternativen Energiebewegung.
- Wieder andere halten es für einen Zufall, der tragisch mit Mythen überlagert wurde.
Die Autopsie fand keine Hinweise auf Vergiftung oder Fremdeinwirkung. Trotzdem bleibt sein Tod ein umstrittenes Kapitel seiner Geschichte.
Visionär oder Mythos? Eine differenzierte Betrachtung
Die Meinungen über Stanley Meyer sind bis heute geteilt.
Unterstützer sehen in ihm:
- einen kreativen Visionär
- einen Erfinder, der neue Wege dachte
- jemanden, dessen Ideen zu früh kamen
Kritiker sehen in ihm:
- einen Erfinder, dessen Behauptungen wissenschaftlich nicht haltbar waren
- jemanden, der Investoren irreführte
- ein Beispiel dafür, wie leicht sich Menschen alternative Energien wünschen
Beide Perspektiven zeigen, wie wichtig transparente Wissenschaft und überprüfbare Technologie sind – besonders bei Themen, die Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft wecken.
Das Erbe von Stanley Meyer in der modernen Energiedebatte
Heute, Jahrzehnte nach seinem Tod, beschäftigen sich noch immer tausende Menschen weltweit mit Meyers Erfindungen. Seine Patente sind öffentlich einsehbar, und viele Hobby-Tüftler versuchen, seine Systeme nachzubauen – allerdings ohne nachweisbaren Erfolg.
Die Automobilindustrie setzt derweil auf realistische Alternativen:
- Batterie-Elektrofahrzeuge
- moderne Wasserstoff-Brennstoffzellen
- synthetische Kraftstoffe
- Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen
Meyers Versuche haben zwar keine technische Revolution ausgelöst, aber sie haben die Diskussion über Energieunabhängigkeit und neue Mobilitätskonzepte angeregt.
Fazit
Stanley Meyer bleibt eine der faszinierendsten Figuren der Energiegeschichte. Seine Vision eines wasserbetriebenen Autos begeisterte viele Menschen, obwohl sie nie wissenschaftlich bestätigt wurde. Seine Geschichte zeigt, wie groß die Sehnsucht nach sauberer und unbegrenzter Energie ist – und wie wichtig es ist, Innovationen kritisch, aber offen zu betrachten.
Für deutsche Leser bietet Meyers Lebenswerk ein spannendes Beispiel dafür, wie Wissenschaft, Hoffnung und Mythos zusammenwirken können.

